Es gibt einen Moment am Ende eines Sommers, an dem sich ein Atelier verändert.

WENN DAS SOMMERATELIER LANGSAM STILL WIRD
Steffen Maria Ost · 20. September 2026
Es gibt einen Moment am Ende eines Sommers, an dem sich ein Atelier verändert.
Noch stehen die Staffeleien da. Noch liegen Pinsel, Farben und all die Dinge an ihrem Platz, die mich während der vergangenen Monate begleitet haben. Und trotzdem ist bereits zu spüren, dass etwas zu Ende geht.
Fast vier Monate habe ich in diesem Jahr wieder in meinem Sommeratelier in der Toskana gearbeitet.
Es waren Monate voller Farbe, neuer Gemälde, Ideen und Begegnungen. Manche Arbeiten entstanden schnell, andere entwickelten sich über Wochen. Wieder andere überraschten mich selbst und gingen während des Malens einen ganz anderen Weg, als ich ursprünglich gedacht hatte.
Genau das gehört für mich zur Kunst.
Ich weiß nicht immer, wohin mich ein Bild führt. Ich beginne – und irgendwann beginnt das Bild, seinen eigenen Weg zu bestimmen.
Nun werden die Räume langsam leerer.
Die neuen Gemälde werden verpackt, geschützt und für die Reise vorbereitet. Was hier in der Ruhe der Toskana entstanden ist, verlässt seinen Entstehungsort und macht sich auf den Weg nach Deutschland.
Und damit beginnt für die Arbeiten ein neuer Abschnitt.
Bald werden sie in der Galerie Ost im Schöpflin-Areal in Lörrach-Brombach hängen. Dort werden sie zum ersten Mal Menschen begegnen, die ihre Entstehung nicht miterlebt haben.
Das ist jedes Jahr ein besonderer Moment für mich.
Denn solange ein Gemälde im Atelier steht, gehört es noch sehr stark zu meinem eigenen Alltag. Ich kenne seine Entstehung, seine Veränderungen, manchmal auch die Zweifel und Entscheidungen, die darin stecken.
In einer Galerie verändert sich das.
Dann trete ich als Künstler ein Stück zurück.
Das Werk steht plötzlich für sich selbst.
Ein anderer Mensch bleibt davor stehen, entdeckt vielleicht etwas völlig anderes darin als ich und verbindet es mit seinen eigenen Erinnerungen, Gedanken und Gefühlen.
Vielleicht ist genau das einer der schönsten Augenblicke an meiner Arbeit.
Ein Bild ist fertig, wenn ich aufhöre daran zu arbeiten.
Aber seine Geschichte ist damit noch lange nicht zu Ende.
Während ich hier die letzten Tage im Sommeratelier verbringe, richtet sich mein Blick deshalb bereits nach vorne.
Auf die Rückreise.
Auf das Auspacken.
Auf das Aufhängen.
Auf die Galerie.
Und auf den 8. Oktober 2026, wenn ich bei der SMO.GALLERY PREVIEW die Türen öffne und viele der in diesem Sommer entstandenen Arbeiten erstmals in der Galerie Ost zeige.
Bis dahin liegt noch einiges an Arbeit vor mir.
Aber heute genieße ich noch einmal diesen besonderen Moment zwischen zwei Welten:
Die Toskana liegt noch vor der Tür.
Die neuen Gemälde stehen noch hier.
Und trotzdem hat ihre Reise längst begonnen.













